
Offene Türen, niedrige Schwellen, Präsenz und Ansprechbarkeit von Mitarbeitenden in gastfreundlicher Atmosphäre mitten in der Stadt – dies kennzeichnet die vielen Citykirchenprojekte der evangelischen und katholischen Kirche in fast 70 Städten in Deutschland, der Schweiz und Österreich.
Auf der Suche nach neuen Formen kirchlicher Präsenz in der Großstadt öffnen an vielen Orten sog. Kirchenläden, Kirchenpavillons, c-Punkte, k-Punkte, Kirchenfenster, Kirchenfoyers und Häuser der Kirche ihre Pforten für Suchende und Fragende, für Passanten und Einkäufer, für Arme und Menschen am Rand, für Ruhebedürftige und Sinnsucher, oder auch einfach für Interessierte. Ob im Innern einer Citykirche oder im gemieteten Ladenlokal nebenan, ob im Pavillon in der Fußgängerzone oder innerhalb eines Hauses der Kirche mit vielen anderen Diensten: alle diese Einrichtungen möchten als einen Mosaikstein der Stadtkirchenarbeit, Citypastoral und Cityseelsorge eine niederschwellige Präsenz von Kirche in der City gewährleisten, möchten Information, Gespräch und Seelsorge anbieten.
Manche dieser Projekte sind schon über 25 Jahre alt, z.B. der Kirchenpavillon Bonn, oder seit 15 Jahren in den Innenstädten präsent, z.B. der Katholische Kirchenladen i-Punkt in Frankfurt a.M.. Doch gerade in den letzten 10 Jahren hat sich in den Cities der mittleren wie großen Städte auch in kirchlicher Hinsicht vieles verändert. Gemeinden wurden als Territorialgemeinden aufgelöst oder mit anderen fusioniert, die Kirchen werden aber weiter genutzt als Citykirchen mit Spezialaufgaben bzw. mit speziellen Akzenten. Das Seelsorge-Personal wird für neue Aufgaben der Citykirchenarbeit und Citypastoral eingesetzt, Ehrenamtliche engagieren sich nicht nur in Katechese, Diakonie und Liturgie der Gemeinden, sondern entwickeln mit den hauptamtlichen Seelsorgerinnen und Seelsorgern neue Formen der „unverbindlicheren“ Kontaktaufnahme mit Kirche in Citykirchenprojekten.
In diesen kirchlichen Anlaufstellen vieler Städte – idealerweise in zentraler Lage – nehmen sich ehrenamtliche und hauptamtliche Mitarbeitende täglich Zeit für die Menschen, die vorbei kommen: Zeit für Gespräche über Gott und die Welt, für Informationen rund um Glauben, Kirche und Religion; sie bieten Hilfe in persönlichen Krisen, schaffen Kontakt zu kirchlichen Einrichtungen und vermitteln bei Bedarf Gespräche an fachliche Beratungsstellen. Auch ein Eintritt oder Wiedereintritt in die evangelische oder katholische Kirche ist bei den meisten Einrichtungen problemlos und ohne Peinlichkeit möglich. Neben einem Kirchencafé bieten viele Citykirchenprojekte ein Kulturprogramm an, z.B. Ausstellungen oder Kirchenkonzerte oder die an vielen Orten inzwischen institutionalisierte „Nacht der (offenen) Kirchen“. An vielen Standorten werden spirituelle Impulse im Laufe des Tages gerne besucht, so z.B. das Mittagsgebet, ein Abendsegen, Bibelgespräch oder eine Meditation. Bei Kirchenführungen werden Symbole und Intentionen des Glaubens näher erschlossen. Verschiedenes wird ausprobiert, „Events“ finden hier und da statt, aber meist im Blick auf Menschen, die Kirche nur gelegentlich und in bestimmten Situationen beanspruchen. Die diakonische Option der Einrichtungen ist unterschiedlich stark ausgeprägt, je nach örtlicher Situation und Kooperation mit caritativen bzw. diakonischen Arbeitsstellen in der Nachbarschaft.
Vieles ist inhaltlich möglich und wird auch ausprobiert, orientiert sich jedoch an den Ressourcen (und Standorten) der einzelnen Projekte, die in sehr unterschiedlichen Betriebsformen existieren und mit unterschiedlichen finanziellen Mitteln ausgestattet sind. So hat jedes einzelne Citykirchenprojekt im Laufe der Zeit sein eigenes, unverwechselbares Profil gefunden. Allen gemeinsam ist jedoch der Wille, Kirche und ihre Botschaft menschenfreundlich und zugewandt durch den Empfang („Accueil“) gut ausgebildeter und motivierter Mitarbeitender in offenen Räumen erfahrbar zu machen und auf eine ganz unkomplizierte und einfache Art und Weise für die Menschen da zu sein.
1992 luden VertreterInnen von vier Städten (Bonn, Düsseldorf, Köln, Rotterdam) nach Bonn zur ersten Netzwerktagung „Kirche in der City“ ein. Von Anfang an waren diese Tagungen ökumenisch und wurden von der Basis organisiert. Wie bei einem Staffellauf wurde am Ende einer Tagung die Verantwortung für die nächste der im 2-Jahres-Rhythmus stattfindenden Tagungen an eine andere Stadt weitergegeben. Die Anfangsidee war es, einen Austausch zwischen allen mit Citykirchenarbeit befassten Einrichtungen zu ermöglichen, und so nahmen sowohl große Kirchen (Düsseldorf, Köln, München etc.), als auch Kirchencafés, Kirchenläden etc. an diesen Treffen teil. Im Laufe der Jahre verlagerte sich der Schwerpunkt auf letztere, insbesondere auch wegen der parallelen Existenz der „Konferenz der Citykirchen in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)“, die sich auf Citykirchen aus Großstädten beschränkte (eine katholische Konferenz der Citykirchen gab es und gibt es in dieser Form bisher nicht). Vor- und Nachteile dieser Aufteilung wären sicherlich zu diskutieren. In vielen Städten werden Café- und Infostellenarbeit in den Konzepten der großen Kirchen integriert, so dass die weitere Teilnahme auch der Großstadtkirchen an den Netzwerktagungen nahe liegt. Gleichzeitig müßte dann auch auf Dauer überlegt werden, wie die katholischen Citykirchen in die Tagungen eingebunden werden können.
In folgenden Städten fanden bisher Tagungen des Netzwerks statt:
1992 Bonn
1994 Hamburg
1996 Berlin
1998 Hannover
2000 geplant: Dresden oder Meißen (ausgefallen)
2002 Mainz
2004 Hamburg
2006 Dortmund
2008 Augsburg
Nach dem Ausfall der Tagung im Jahr 2000 und einer schwierigen Wiederaufnahme der „Staffel“ hat die Region Rhein-Main ohne Auftrag der vorhergehenden Tagung in Hannover eine neue Tagung für Mainz vorbereitet. Dort wurde im Jahr 2002 beschlossen, sich eine verbindlichere Struktur zu geben, die den Informationsfluss ge-währleistet und das Stattfinden der Tagungen sicherstellen kann. Zu diesem Zweck wurde ein Sprecherteam gewählt, das den Auftrag bekam, bis zum Jahr 2004 die Gründung einer bundesweiten ökumenischen Arbeitsgemeinschaft vorzubereiten. Im April 2004 fand diese Gründung auf der Netzwerktagung in Hamburg statt. Im Juli 2004 hatte das Netzwerk 46 Einrichtungen als Mitglieder. Heute sind es 68 Mit-gliedseinrichtungen. Wir sind uns dabei bewusst, dass es viele weitere Projekte in vielen Städten gibt, die sich dem Netzwerk noch nicht angeschlossen haben.
Die Mitgliedseinrichtungen fühlen sich dem Ziel verpflichtet, eine niederschwellige kirchliche Präsenz in der City zu gewährleisten, religiöse Impulse in das Leben der Stadt einzutragen, Information, Gespräch und Seelsorge anzubieten. Das Netzwerk als Zusammenschluss dieser Einrichtungen will Synergie-Effekte nutzbar machen durch Austausch, gemeinsame Diskussion aktueller Fragestellungen und – soweit sinnvoll – gemeinsame Aktivitäten.
Dementsprechend sind Information, Kommunikation und Beratung die drei Stichworte, unter denen das Netzwerk arbeitet:
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Wir
fördern den Kontakt unserer Mitglieder untereinander:
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wir unterstützen eine regionale Vorbereitungsgruppe bei der
Organisation einer alle zwei Jahre stattfindenden Fachtagung
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wir führen alle zwei Jahre eine Mitgliederversammlung durch
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wir pflegen eine Homepage, eine Mailingliste und einen Newsletter
für unsere Mitglieder
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Wir
vertreten unsere Mitglieder nach außen:
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wir pflegen Kontakt zur Deutschen Bischofskonferenz und zur
Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD)
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wir halten Verbindung zu anderen Vernetzungsformen kirchlicher
Arbeit in der City
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Wir
beraten unsere Mitglieder in fachlichen Fragen und
informieren sie über spezielle Fortbildungsangebote
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Wir
vertreten unsere Mitglieder nach außen:
- jedes Projekt der Citykirchenarbeit, Stadtkirchenarbeit, Cityseelsorge oder Citypastoral kann bei uns Mitglied werden.
Grundlegende Erstinformationen zu den einzelnen Einrichtungen finden sich auf der offiziellen Homepage des Netzwerks unter www.citykirchenprojekte.de. Die je-weils eigenen Internetpräsenzen der Mitgliedseinrichtungen sind mit dieser Seite ver-linkt.
Strategisches Ziel des Netzwerks ist die Verankerung der Citykirchenarbeit und der Citypastoral in der evangelischen bzw. katholischen Kirche, ihre stetige konzeptionelle Weiterentwicklung und Aktualisierung und ihre Platzierung im Gefüge der Städte.
Sprecherteam: 5 SprecherInnen werden von der Mitgliederversammlung gewählt und führen die Geschäfte des Netzwerks. Kontaktadresse ist derzeit Andreas Isenburg, Amt für missionarische Dienste, Olpe 35, 44135 Dortmund, Tel. 02 31/54 09-63, E-Mail: info(a)citykirchenprojekte.de.
Mitgliederversammlung: Die Mitgliederversammlung findet in 2-jährlichem Rhythmus im Rahmen einer Netzwerktagung statt. Sie ist das höchste beschlussfassende Organ des Netzwerks. Die Aufgaben sind in den Richtlinien des Netzwerks festgeschrieben. Mitglied werden können Einrichtungen und Projekte der Citykirchenarbeit und Citypastoral der Evangelischen Landeskirchen und der Katholischen Kirche in Deutschland und im deutschsprachigen Raum.
Netzwerktagung: Sie findet alle 2 Jahre an wechselnden Orten statt und wird von einer regionalen Vorbereitungsgruppe organisiert und verantwortet. Sie hat neben dem Austausch der Einrichtungen auch immer einen inhaltlichen Schwerpunkt und ermöglicht mit Exkursionen das Kennenlernen von Projekten vor Ort.
Das Netzwerk will die Diskussion über diese und andere Fragen befördern und über Ergebnisse informieren.
Homepage des Netzwerks Citykirchenprojekte: www.citykirchenprojekte.de
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Martina Baur-Schäfer, Evangelischer Kirchenpavillon Bonn
Andreas Isenburg, Amt für missionarische Dienste, Dortmund